Das Wort „Scheitern“ ist in Deutschland denkbar negativ behaftet. Dabei ist Scheitern eine der wichtigsten Grundlagen der Evolution. Wer mit etwas scheitert, hat offensichtlich davor etwas Neues versucht und hat mit dem Scheitern immerhin gelernt, wie man es nicht macht. Etwas Neues auszuprobieren und zu wagen ist also die Basis für Veränderung und Entwicklung. Wer gescheitert ist, hat immerhin schonmal erste Schritt unternommen, während die Anderen brav ins Büro gegangen sind und sich in der Komfortzone versteckt haben.
Die erfolgreichsten Gründer sind unzählige Male gescheitert. Richard Branson (Virgin) hat eine Vielzahl an Anläufen gebraucht, bis seine Projekte erfolgreich wurden. Aus jedem gescheiterten Anlauf hat er Learnings mitgenommen und es so oft wieder neu begonnen, bis es funktioniert hat. Heute hat er neben seinem Plattenlaben auch eine Airline, eine Softdrinkmarke und weitere Unternehmen in seinem Imperium.
Schon Thomas Edison bewies ein starkes Mindset als er sagte: „Ich bin nicht gescheitert. Ich habe 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“
Was im Hintergrund eines erfolgreichen StartUps alles passiert ist, bis es schließlich erfolgreich wurde, bekommt man nur selten mit. Denn es werden nur die Erfolge transportiert. Also lass Dich nicht vom scheinbar leichtfüßigen Erfolg anderer Gründer demoralisieren. Hinter jedem Erfolg steckt harte Arbeit und ein starkes Mindset, das Lösungen geschaffen hat.
Wer scheitert, lernt neue Herausforderungen kennen und stößt auf neue Fragen, die einer Antwort bedürfen. Wer die richtigen Fragen stellt, wird neue Fragen erhalten. Das ist die Grundlage von spezialisiertem Lernen und damit eines absolut mächtigen Prozesses der Weiterentwicklung. Das Gründer-Mindset sieht ein Problem, entwickelt eine Lösung und stößt dabei auf neue Probleme, die es zu lösen gilt. So auch beim Scheitern. Crasht das StartUp, so wird ein Gründer wissen, was die Ursache war. Daraus ergeben sich neue Erkenntnisse und damit auch neue Ideen, wie das beim nächsten Mal besser laufen wird. Es ist ein real-life Jump’n’Run mit Endgegnern und neuen Levels, die man nach und nach freispielen muss.
In den USA interessieren sich Investoren und große Firmen bewusst für fehlgeschlagene Gründungen und das Scheitern. Die typische Frage lautet: „Where did you fail and what did you learn?“. Während man sich in Deutschland für einen Fehlversuch schämt und schuldig fühlt, hat man in den USA verstanden, dass es Erfahrung braucht, um Großes zu erreichen. Schließlich haben wir das Laufen und Fahrradfahren auch erst nach unzähligen Stürzen und dem „Immer wieder Aufstehen“ perfektioniert. Jeder von uns. Niemand kann nach der Geburt sofort laufen. Man muss etwas 10.000 Mal gemacht haben, um richtig gut darin zu sein. Beim Gründen ist es natürlich eine geringere Zahl. Es geht um die Analogie. Kaum jemand wird mit seinem ersten StartUp sofort erfolgreich. Es geht darum, immer wieder aufzustehen und es mit den Erkenntnissen des letzten Scheiterns neu und auf bessere Art zu versuchen, bis man es schließlich schafft.
Sebastian Class ist Unternehmer und seit 2019 Gründer sowie Geschäftsführer der Badischen Entertainment Gesellschaft mbH. Zuvor war er als Marketingleiter tätig und hat außerdem aktiv an Online‑Marketing‑ und Unternehmensprojekten mitgewirkt, unter anderem im Rahmen der Class Brothers GmbH, einer SEO‑ und Webagentur‑Initiative in Freiburg, die er mit aufgebaut hat.