Mitgründer oder Mitgründerin gesucht? Warum Geduld entscheidend ist

In der Gründerszene hörst Du ständig: „Du brauchst unbedingt eine Mitgründerin oder einen Mitgründer.“ Dieser Druck ist enorm – auf Events, in Accelerator-Programmen oder auf LinkedIn. Viele stürzen sich in Partnerschaften, ohne gründlich zu prüfen, ob sie wirklich zusammenpassen. Aber genau hier liegt die Gefahr: Ein Fehlgriff bei der Gründung kann Dein Unternehmen mehr kosten als gar kein Mitgründer oder Mitgründerin.

 

Die versteckten Risiken falscher Mitgründer/innen

Studien zeigen: 65 % aller Startups scheitern wegen Konflikten zwischen Mitgründer/innen. (indiehackers.com) Wenn Du die falsche Person ins Team holst, entstehen schnell Probleme:

  • Anteile sind langfristig gebunden. Bereits abgegebene Anteile lassen sich nicht einfach zurückholen. Bei einer Trennung behält die ehemalige Partnerin oder der ehemalige Partner oft Anteile – ein Warnsignal für Investor/innen.
  • Entscheidungen stocken. Unterschiedliche Visionen führen selten zu produktiven Diskussionen, eher zu Blockaden.
  • Teamklima leidet. Konflikte zwischen Gründer/innen wirken sich direkt auf die Motivation der Mitarbeitenden aus.
  • Investoren misstrauen. Risikokapitalgeber/innen investieren in Teams, nicht nur in Ideen. Konflikte wirken wie rote Flaggen und erschweren die Finanzierung.

 

Allein gründen ist eine Option – und keine Schwäche

Ein Solo‑Start ist kein Makel. Viele erfolgreiche Unternehmen begannen mit nur einer Gründerperson – und das aus gutem Grund:

  • Du bist besonders agil und triffst Entscheidungen ohne lange Abstimmungen.

  • Die Verantwortung liegt klar bei dir – Erfolge wie Fehler sind transparent.

  • Dein Eigenkapital bleibt geschützt: Statt früh Anteile abzugeben, kannst du später vesting-basierte Beteiligungen vergeben.

  • Deine Vision prägt die Kultur von Anfang an – ohne Verwässerung.

 

Den richtigen Zeitpunkt für eine Mitgründerin oder einen Mitgründer wählen

Es geht nicht darum, generell ohne Partner/innen zu bleiben, sondern strategisch zu entscheiden, wann eine Person wirklich hilfreich ist:

  1. Dein Geschäftsmodell ist validiert.
  2. Du erkennst klare Kompetenzlücken, die wirklich geschlossen werden müssen.
  3. Ihr habt bereits erfolgreich zusammengearbeitet und verstanden, ob eure Zusammenarbeit funktioniert – auch und gerade, wenn es Differenzen gibt.
  4. Die Partnerschaft ist gut strukturiert – etwa mit Vesting-Plänen und Exit-Klauseln.

Oft entsteht die ideale Partnerschaft aus dem laufenden Geschäft: Mitarbeitende der ersten Stunde, Berater/innen oder Führungskräfte, die mit dem Wachstum des Startups einsteigen.

 

Bau Dein Gründungsnetzwerk strategisch auf

Statt vorschnell nach einem Mitgründer oder einer Mitgründerin zu suchen, kannst Du Dein Netzwerk gezielt stärken:

  • Netzwerke nutzen: Gründungscommunities, Unternehmer/innenorganisationen oder branchenspezifische Gruppen geben Dir wertvollen Austausch und Rückhalt.
  • Teilzeit-Führungskräfte: Ein CTO, CMO oder CFO auf Teilzeitbasis schließt Kompetenzlücken, ohne Dir gleich eine/n Mitgründer/in ans Bein zu binden.
  • Top-Kräfte ins Team holen: Rekrutiere Expert/innen, die eine Schlüsselrolle übernehmen können und später vielleicht selbst Teil des Führungsteams werden.

 

Ein guter Schutzmechanismus: Vesting. 

Vesting bedeutet, dass sich Gründer/innen ihre Anteile über einen Zeitraum „verdienen“. Wenn jemand vorher aussteigt, kann er oder sie nicht einfach alle Anteile behalten. Gerichtsentscheidungen in Deutschland bestätigen, dass solche Regelungen sinnvoll und rechtswirksam sind. (haufe.de) Vesting-Klauseln umfassen oft ein sogenanntes „Cliff“ (z. B. nach einem Jahr) und definieren, was bei einem Ausstieg passiert (Good Leaver vs. Bad Leaver). (startupfundraising.de)

 

Stell Dir diese Fragen, bevor Du Dich bindest:

  • Welche Kompetenzen fehlen Dir wirklich – und könntest Du sie durch Mitarbeit oder Berater/innen abdecken?
  • Gehst Du auf Partnersuche, weil Du wirklich jemanden brauchst – oder eher, weil Du Angst hast, allein zu sein?
  • Wie definierst Du Erfolg für diese Partnerschaft?
  • Habt ihr schon gemeinsam unter Druck gearbeitet?
  • Teilt ihr nicht nur Skills, sondern auch Werte und Vision?

Wenn Du diese Fragen nicht klar beantworten kannst, ist es vielleicht noch zu früh.

 

Fazit: Ein falscher Mitgründer oder eine falsche Mitgründerin kann Dein Startup gefährden. Geduld, Struktur und ein starkes Netzwerk sind entscheidend. Den richtigen Partner findest Du immer noch – aber den Schaden eines vorschnellen Fehlgriffs kaum. Allein zu starten ist strategisch klug, keine Notlösung.

 

Harald Schützeichel ist Geschäftsführer von FRENI. Freiburg Entrepreneurship Institut.

FRENI unterstützt Entrepreneure: bei der Entwicklung ihres Geschäftsmodells, der Suche nach Partnern, der persönlichen Reife als Entrepreneur, beim Aufbau von Netzwerken.

 

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