Die meisten Gründungs-Stories klingen ähnlich: Sie erzählen von der Idee, dem Marktproblem und der Lösung. Sachlich korrekt – aber oft emotional leer.
Viele Gründer/innen verwechseln Storytelling mit Selbstdarstellung. Statt die Perspektive des Gegenübers einzunehmen, sprechen sie über sich selbst, ihre Features oder ihre Vision. Zuhörer/innen erfahren dann, was Du machst, aber nicht, warum es für sie relevant ist. Ohne Relevanz für den eigenen Alltag bleibt jede Story schnell austauschbar.
Hinzu kommt: Langweilige Stories vermeiden Ecken und Kanten. Sie zeigen weder Herausforderungen noch Zweifel oder Fehler – Aspekte, die Menschen verbinden und Aufmerksamkeit erzeugen.
Eine Gründungs-Story ohne Konflikt oder Spannung ist wie ein Film ohne Spannungsbogen: technisch korrekt, aber leicht wieder vergessen.
Warum gute Geschichten überzeugen
Eine überzeugende Story bewegt Menschen, weil sie ein Verständnis für ihre Situation schafft und neue Perspektiven eröffnet. Zuhörer/innen erkennen sich selbst, ihre Herausforderungen oder Wünsche in der Geschichte – und können daraus Schlüsse ziehen, wie sie handeln könnten.
Eine gute Story wirkt wie ein innerer Abgleich:
- „Das kenne ich.“
- „So fühlt es sich bei mir auch an.“
- „So könnte es anders gehen.“
Gründer/innen, die ihr Produkt, ihre Idee oder ihr Projekt vorstellen, profitieren davon besonders, wenn die Story:
- Erleichterung vermittelt („Endlich versteht jemand das Problem.“)
- Mut macht („Andere haben es geschafft – das kann ich auch.“)
- Hoffnung gibt („Es gibt eine Möglichkeit, die Situation zu verändern.“)
- Zugehörigkeit erzeugt („Ich bin damit nicht allein.“)
Das Ziel ist nicht, das Produkt selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern eine Geschichte zu erzählen, die die Relevanz der Idee für die Zuhörer/innen erlebbar macht.
Die drei Ebenen einer Story, die Vertrauen schafft
Strukturierte Geschichten helfen Dir, komplexe Ideen verständlich und einprägsam zu vermitteln. Ein bewährtes Drei-Ebenen-Modell zeigt, wie Du Zuhörer/innen Schritt für Schritt abholst:
- Die sichtbare Ebene: Das konkrete Problem
Hier beschreibst Du die Situation, die Deine Zielgruppe kennt: Herausforderungen, Hürden oder Alltagssituationen. Nur wenn Menschen ihr eigenes Erleben erkennen, hören sie weiter zu.
- Die emotionale Ebene: Das innere Dilemma
Jetzt geht es um Gefühle: Frust, Zweifel, Unsicherheit. Diese Ebene sorgt dafür, dass sich Zuhörer/innen verstanden fühlen. Erst wer verstanden wird, öffnet sich für neue Ansätze.
- Die Bedeutungsebene: Die neue Perspektive
Hier zeigst Du, welche Möglichkeiten sich ergeben – ohne gleich Funktionen oder Features zu erklären. Dein Produkt, Deine Lösung oder Dein Ansatz wird als Teil einer sinnvollen Entwicklung erkennbar. Die Zuhörer/innen sehen: „So könnte es anders laufen.“
Wenn diese drei Ebenen klar ineinandergreifen, entsteht eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt, nachvollziehbar ist und Vertrauen schafft – egal, ob Du vor Investor/innen, Kund/innen oder Geschäftspartner/innen präsentierst.
Links und Quellenhinweise zu diesem Thema:
- https://www.prnews24.com/was-ist-storytelling-definition-und-bedeutung/
- https://infodesignerin.de/storytelling-die-kunst-geschichten-mit-wirkung-zu-erzaehlen
Harald Schützeichel ist Geschäftsführer von FRENI. Freiburg Entrepreneurship Institut.
#StartupStory, #Gründer:innenStory, #StorytellingImBusiness, #PitchTipps, #ProduktStory