Beteiligung fair aufteilen: Warum 50/50 unter Mitgründer:innen selten die beste Wahl ist

Chase Chappell

In der Startup-Welt gilt der 50/50-Split fast als Naturgesetz, weil er fair klingt, sauber wirkt und unangenehme Gespräche in einer ohnehin fragilen Anfangszeit erspart. Doch genau diese vermeintliche Selbstverständlichkeit ist einer der größten Denkfehler, den Du beim Aufbau eines Gründungsteams machen kannst, denn der häufigste Irrtum besteht darin, Gleichheit mit Fairness zu verwechseln.

Gleichheit ist nicht dasselbe wie Fairness

Ein hälftiger Split fühlt sich fair an, weil er symmetrisch ist, doch Symmetrie hat mit dem tatsächlichen Beitrag wenig zu tun. Wenn eine Person das Produkt von Grund auf baut, also Architektur, Backend, Frontend, Infrastruktur und Deployment verantwortet und obendrein Positionierung, SEO und Wachstum vorantreibt, während die andere Inhalte und Design beisteuert, dann sind die Rollen vom ersten Tag an nicht gleich. Eine Aufteilung, die so tut, als wären sie es, schafft keine Gerechtigkeit, sondern verschiebt das Ungleichgewicht nur in die Zukunft, wo es sich später umso teurer rächt.

Was wirklich zählt: der Beitrag, nicht die Symmetrie

Beteiligung sollte den Wert abbilden, den jede Person einbringt, und dafür lohnt sich ein nüchterner Blick auf mehrere Faktoren: Wer hatte die Idee und hält relevante Rechte daran, wer arbeitet Vollzeit und wer nur nebenbei, wer bringt Kapital ein, wer verfügt über einschlägige Erfahrung und wer öffnet die Türen zu Kund:innen, Investor:innen und Partnern. Dass ungleiche Verteilungen keineswegs ungewöhnlich sind, zeigt der Blick auf erfolgreiche Software-Unternehmen, bei denen häufig eine treibende Hauptfigur deutlich mehr Anteile hält als das übrige Team. saastr

Der Schutz, den fast alle unterschätzen: Vesting

Was im Streit über Prozentsätze oft untergeht, ist der wichtigste Mechanismus überhaupt, nämlich das Vesting, bei dem sich Mitgründer:innen ihre Anteile nicht sofort sichern, sondern über die Zeit verdienen – üblich sind vier Jahre mit einer einjährigen „Cliff“, vor deren Ablauf noch gar keine Anteile übergehen. Vesting ist dabei kein Misstrauensvotum, sondern gelebte Fairness, weil es verhindert, dass jemand, der nach wenigen Monaten aussteigt, die Hälfte eines Unternehmens behält, das die anderen über Jahre weiter aufbauen. Terms

Wie Du fair aufteilst, ohne Streit zu provozieren

Führe die unbequemen Gespräche früh, solange noch wenig auf dem Spiel steht, und halte anschließend alles schriftlich fest: die Höhe der Anteile, den Vesting-Plan, klare Regelungen für den Ausstieg sowie die Kontroll- und Stimmrechte. Hilfreich sind dynamische Modelle, die die Verteilung an den laufenden Beitrag koppeln, ebenso wie Equity-Split-Rechner, die das Gespräch versachlichen. Weil die Materie rechtlich wie steuerlich komplex und zugleich emotional aufgeladen ist, solltest Du vor der Unterschrift fachkundigen Rat einholen, denn dieser Beitrag ersetzt keine rechtliche Beratung.

Fazit

Eine faire Beteiligung bildet nicht ab, dass alle gleich sind, sondern was jede Person tatsächlich beiträgt, heute wie in Zukunft. Wer das offen verhandelt, mit Vesting absichert und sauber dokumentiert, legt nicht nur eine gerechtere Grundlage, sondern schützt zugleich die Beziehung, von der am Ende das gesamte Unternehmen abhängt.

 

Harald Schützeichel ist Unternehmer und Geschäftsführer von FRENI. Freiburg Entrepreneurship Institut.

Wenn Du den Blog regelmässig lesen willst, abonniere einfach den Newsletter.

Nach oben scrollen